Schon seit mehreren Jahren gewinnt das Fundraising in Kirchenkreisen, Landeskirchen u.a. Trägern der Evangelischen Kirche in Deutschland an Bedeutung. So ist die Evangelische Kirche etwa mit seinem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik Hauptgesellschafter der Fundraising Akademie. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hat nun beschlossen, mit Beginn des nächsten Jahres eine „Servicestelle für das Fundraising der Gliedkirchen“ einzurichten. Diese Aufgabe ist jetzt der Fundraising Akademie übertragen worden.
Wir sprachen mit dem Finanzchef der Evangelischen Kirche in Deutschland, Oberkirchenrat Thomas Begrich, über die Motive der EKD, das Fundraising zu verstärken.
fundraisingpraxis: Kann man vereinfacht fragen, ob sich die Kirche dem Fundraising verstärkt widmet, weil viele Menschen in den letzten Jahren aus der Kirche ausgetreten sind und neue Finanzierungsquellen notwendig sind?
Thomas Begrich: Ja und nein. Wir werden weniger – auch wenn die Zahl der Austritte schon lange stark gesunken ist. Das ist einfach demografisch bedingt. Wir sind ja insgesamt eine „überalterte“ Gesellschaft – anders gesagt: es werden zu wenig Kinder geboren. Und wer nicht geboren ist, kann auch nicht getauft werden. Fundraising ist uns wichtig, weil es die Gemeinde in jeder Beziehung stärken kann.
fundraisingpraxis: Bereits in den urchristlichen Gemeinden wurde Geld für besondere Zwecke gesammelt. Auch heute noch gehören Kollekten zu einem festen Bestandteil der Gottesdienste. Ist für Sie Fundraising mehr als „Geld sammeln?“
Thomas Begrich: In der Tat. Es geht ja nicht nur ums Geld. Fundraising ist eine Haltung: Man lernt dabei, wie man mit Geld umgeht – und mit den Geldgebern. Was der Apostel Paulus hier schon immer gefordert hat, ist schließlich nichts anderes: Transparenz, Verlässlichkeit, Dankbarkeit, inhaltliche Akzeptanz. Nachzulesen in den Briefen an die Korinther.
fundraisingpraxis: Für 2009 zeichnet sich ein Minus von durchschnittlich bis zu 3 % des Kirchensteueraufkommens ab, für 2010 wird ein noch größerer Rückgang befürchtet. Dabei sind die Unterschiede regional sehr groß. Gerade einige der Landeskirchen in den hochindustriellen Regionen haben bereits in diesem Jahr einen Rückgang der Kirchensteuern von bis zu 12 % zu verkraften. Haben Sie die Erwartung, dass Fundraising diese großen „Löcher“ zukünftig ganz stopft?
Thomas Begrich: Nein, das ist unmöglich. Die Kirchensteuer ist ein starker Mitgliedsbeitrag. Die Einnahmen daraus sinken ja, weil wir weniger werden oder – wie derzeit erfahrbar – weil die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Menschen eben gesunken ist. Fundraising kann aber Menschen bewegen, die bislang gar nichts geben, dabei zu sein, es kann Menschen für besondere Projekte interessieren. Finanzpolitisch ist das eine ergänzende Finanzierungsform, aber kein Ersatz.
fundraisingpraxis: Welche Motive hat die Synode geleitet, eine Servicestelle für Fundraising einzurichten?
Thomas Begrich: Erfreulicherweise wird ja landauf, landab deutlich, wie wichtig und hilfreich Fundraising ist. Landeskirchen und Kirchengemeinden interessieren sich zunehmend dafür. Die Servicestelle soll sie dabei unterstützen.
fundraisingpraxis: Welche praktischen Aufgaben hat die Servicestelle für die Gliedkirchen?
Thomas Begrich: Zunächst einmal soll sie Material und Materialien bereitstellen. Aber vor allem soll sie gute Ideen von A nach B transportieren. Das Fahrrad muss ja nicht jeder neu für sich erfinden. Übrigens muss kein Ideengeber fürchten, dass er damit etwa unliebsame Konkurrenten stärkt. Die Stärke kommt nicht von den Methoden (das ist Rüstzeug), sondern von den Inhalten. Rüstzeug kann man gut teilen, Inhalte muss schon jeder selbst haben.
fundraisingpraxis: Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Welchen Beitrag leistet das Fundraising im Jahr 2020 in der EKD?
Thomas Begrich: Es stärkt die Gemeinden in ihrem Selbstverständnis und in ihrer Eigenverantwortung. Das ist mehr als bares Geld. Aber es bringt auch welches.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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